Über die Trauer – von Bert Hellinger

Über die Trauer

von Bert Hellinger

Es scheint, wenn man so die Wirkungen beobachtet,

daß die Toten nur langsam weggehen von uns.

Es ist, als ob sie noch für einige Zeit in der Nähe bleiben.

Jene, um die nicht getrauert wurde, die nicht geachtet sind oder vergessen wurden, bleiben besonders lange.

Am längsten bleiben die, von denen man nichts wissen will oder vor denen man Angst hat.

Die Trauer gelingt, wenn man sich dem Schmerz überläßt und durch den Schmerz die Toten achtet und würdigt.

Wenn die Toten betrauert und gewürdigt sind, ziehen sie sich zurück.

Dann ist für sie das Leben vorbei und sie können tot sein.

 

Totsein ist Vollendung.

 

Wenn wir dieses Bild von den Toten haben, ist unsere Haltung ihnen gegenüber anders.

Das gilt auch für ganz früh Verstorbenene, auch für die Kinder, die tot geboren wurden.

Wir haben da vielleicht die Vorstellung, sie hätten etwas versäumt.

Was sollen sie denn versäumt haben?

Das Wesentliche bleibt vorher und nachher. Aus ihm tauchen wir durch das Leben auf, und dorthin sinken wir nach dem Leben zurück.

Wenn wir die Toten loslassen, wirken sie wohltuend auf uns zurück. Dazu bedarf es keiner Bedrängung oder besonderen Anstrengung unsererseits.